„Viel zu wenig echte Ganztagsschulen“

SPD-Landtagskandidaten aus dem Landkreis Harburg wollen das ab 2013 ändern Mit deutlicher Kritik an der Ganztagsschulpolitik in Niedersachsen positionieren sich jetzt die SPD-Landtagskandidaten Tobias Handtke, Markus Beecken und Udo Heitmann. Das von der schwarz-gelben Landesregierung verursachte bildungspolitische Chaos offenbare sich vor allem in der vollkommen unzureichenden Umsetzung der Ganztagsbetreuung an den Schulen, so die drei SPD-Politiker aus dem Landkreis Harburg.

v.l. Markus Beecken, Udo Heitmann und Tobias Handtke

„Was CDU und FDP seit vielen Jahren so großspurig propagieren, ist und bleibt bei genauer Betrachtung eine Mogelpackung“, sagt Udo Heitmann. Viel zu wenige Ganztagsschulen trügen ihren Namen zu Recht, in den meisten Fällen würde Etikettenschwindel betrieben. „Nur voll ausgestattete Ganztagsschulen verdienen diese Bezeichnung“, pflichtet Tobias Handtke bei.

Dass die Realität anders aussieht, belegt eine aktuelle Bertelsmann-Studie. „Die Studie gibt uns in unserer Kritik Recht“, so Markus Beecken. „Sie lässt den Schluss zu, dass Niedersachsen im Ganztagsschulbetrieb mit einem rechtlich fragwürdigen Billigmodell über die Runden zu kommen versucht.“ Laut Studie nehmen 31 Prozent der niedersächsischen Schülerinnen und Schüler ein Ganztagsangebot wahr, wovon aber nur neun Prozent von einem gebundenen, also einem durchgängig verlässlichen Ganztagsangebot profitieren. „Ganztagsschulen benötigen jedoch übergreifende Konzepte und Qualitätsstandards“, betont Handtke. „Nach SPD-Auffassung ist es längst überfällig, Ganztagsschulen so auszustatten, dass sie sowohl pädagogische als auch soziale Lernorte mit individuellen Fördermöglichkeiten darstellen.“ Und das funktioniere nur im echten Ganztag.

In den vergangenen Jahren haben CDU und FDP Schulen immer wieder die Aufnahme des Ganztagsbetriebes genehmigt. „Gleichzeitig aber wies man sie an, die für die personelle Aufstockung nötigen Mittel im Rahmen ihrer Eigenverantwortlichkeit sicherzustellen und über Honorarverträge aus ihren jeweiligen Schulbudgets zu finanzieren“, so Heitmann. Zwangläufig gerieten Schulen auf diese Weise in eine Zwickmühle aus dem Anspruch an einen guten Ganztagsbetrieb und der Finanzierung der dafür benötigten zusätzlichen Lehrkräfte.

„Die schwarz-gelbe Landesregierung pappt das Etikett Ganztag an Schulen, um sie dann finanziell im Regen stehen zu lassen!“, so Beecken. Schülern und Eltern werde seit Jahren vorgegaukelt, man habe ihnen endlich die pädagogisch-hochwertige Ganztagsschule geschaffen. Aber das stimme einfach nicht! „Nach dem Regierungswechsel 2013 werden wir zügig eine Lösung für diese schulpolitische Misere erarbeiten“, sind sich die drei SPD-Kandidaten einig.