Über P+R-Kapazitäten, HVV-Tarife und gute Anbindungen

Diskussion im fahrenden Bus: SPD-Landtagskandidat Tobias Handtke sprach mit Gästen und Experten über den öffentlichen Personennahverkehr

Tobias Handtke, Wolfgang Märtens und Frank Wiesner zusammen mit Gästen der Bustour

„Für möglichst optimale Anbindungen und eine gute Verlässlichkeit zahlen die meisten Nutzerinnen und Nutzer des öffentlichen Personennahverkehrs gerne etwas mehr.“ Dieses Fazit zog jetzt SPD-Landtagskandidat Tobias Handtke in einer Diskussionsrunde zum Thema ÖPNV. Gemeinsam mit Wolfgang Märtens, HVV-Bereichsleiter, und Frank Wiesner, Verkehrsexperte der Hamburger Bürgerschaft, klärte Handtke im Rahmen einer Bustour über die Situation der Bus- und Bahnverkehre in den an Hamburg grenzenden Gemeinden des Landkreises Harburg auf.

Die außergewöhnliche Location der Veranstaltung habe sich bei dem Thema halt angeboten, so Handtke. Und so war der Bus mit Referenten und interessierten Bürgerinnen und Bürgern rund anderthalb Stunden unterwegs im Landkreis, machte halt am S-Bahnhof Neu Wulmstorf sowie am Bahnhof Klecken, um unter anderem über die dortigen Probleme rund um den ÖPNV zu sprechen.

„Die seit 2007 bestehende S-Bahn-Anbindung Neu Wulmstorfs an Hamburg ist in erster Linie eine Erfolgsstory“, sagte Tobias Handtke. Mittlerweile zähle man rund 6.000 Pendler täglich. Erwartet hatte man einst 1.500. Aber genau das führe auch zu den aktuellen Problemen: „Das P+R-Kontingent ist komplett ausgeschöpft. Sowohl für Fahrräder als auch für Autos gibt es zu den Hauptverkehrszeiten keine Abstellmöglichkeiten mehr.“ Das gleiche Problem in Klecken. Vor allem durch Pendler aus der Umgebung, die aufgrund des günstigeren HVV- Tarifs Klecken ansteuern, kommt es rund um den Bahnhof zu einer nicht zuletzt für die Anwohner prekären Parkplatzsituation.

Dazu Verkehrsexperte Frank Wiesner: „Ich denke, hier können über kurz oder lang nur verstärkte Buslinien zum Bahnhof hin eine Lösung sein. Der Bau von zusätzlichen Parkflächen, insbesondere von Parkhäusern, wäre in jedem Fall sehr viel teurer.“ Für die Bereitstellung von P+R-Möglichkeiten sei darüber hinaus die jeweilige Kommune hauptverantwortlich, ergänzte HVV-Bereichleiter Wolfgang Märtens. Märtens, der in Klecken wohnt und Projektleiter der HVV-Erweiterung 2004 war, kennt die Zustände am Klecker Bahnhof aus alltäglicher Anschauung: „Es gibt natürlich die Option, dass die Kommunen, die das P+R-Angebot mitnutzen, sich daran auch finanziell beteiligen.“ Das müsste allerdings freiwillig geschehen.

Im Übrigen sei der HVV-Tarif für Klecken eigentlich zu niedrig, beantwortete Märtens die Kritik an der Diskrepanz der Tarife bei den Strecken Buchholz-Hamburg und Klecken- Hamburg, die von einigen Gästen der Info-Bustour vorgebracht wurde. „Außerdem sind die HVV-Tarife ohnehin nicht kostendeckend.“ Der ÖPNV benötige fortwährend Zuschüsse, ergänzte Wiesner. „Die Finanzmittel, die das Land Niedersachsen zum Beispiel dem Landkreis Harburg für den ÖPNV zur Verfügung stellt, dienen fast komplett der Subventionierung der HVV-Tarife.“

Dass es immer wieder an der Finanzierbarkeit hapert, wenn es um den Ausbau des ÖPNV oder bessere, verlässlichere Anbindungen geht, wollen viele Bürgerinnen und Bürger nicht wahrhaben. „Der Sprit fürs Auto wird doch auch ständig teurer“, so ein Gast der Bustour. Letztendlich sei das alles doch eine Frage der Umverteilung.

„Mir ging es heute darum, ein realistisches Bild der Situation zu vermitteln und allen Interessierten die Chance zur Diskussion zu geben“, sagte SPD-Landtagskandidat Tobias Handtke am Ende der Tour. „Viel hängt davon ab, was die Kommunen leisten können und leisten wollen, wenn es um die Verbesserung des ÖPNV geht.“ Verbessern könne man immer, momentan käme man aber schnell an die finanziellen Grenzen. Es gelte, für die Zukunft Prioritäten zu setzen.