Keine christliche Alternative – Über die Christlichkeit der AfD

Florian Schneider, Pastor der evangelischen Kirchengemeinde in Neu Wulmstorf hat im aktuellen Kirchenblatt einen Beitrag zur AfD veröffentlicht. Wir finden diesen Beitrag aus der christlichen Betrachtung sehr wichtig, denn es zeigt auf, wie sehr die AfD gegen die christlichen Werte politische agiert, obwohl sie sich vermeintlich darauf beruft. Absolut Lesenswert und vielen Dank an Florian Schneider für diesen Beitrag!

Das Parteienspektrum der Bundesrepublik ist in den letzten Jahren gewachsen; jüngste Kraft ist die AfD, die selbsternannte „Alternative für Deutschland“. Ist die AfD zunächst zur Rettung des Euro gegründet worden, so macht sie jüngst mit Aussagen von sich reden, die nach der Meinung vieler den rechten Rand mindestens streifen, die zum Teil als menschenverachtend und tendenziell rassistisch gewertet werden müssen. Mir geht es im Folgenden um eine Auseinandersetzung mit der behaupteten Christlichkeit dieser Partei.

Im Programm zur Europawahl 2014 bekennt sich die AfD zu den „Wertegrundlagen des christlich-abendländischen Kulturkreises“. Ist die AfD also eine christliche Alternative für Deutschland? Aus der Gruppe der „Bundesvereinigung der Christen in der AfD (ChrAfD)“ hört man, dass viele Christen an der AfD interessiert seien, „weil wir sehr wertebezogen arbeiten. Ich denke, man kann sagen, dass wir die christlichste Partei sind.“ Die „christlichste Partei“? Ich setze ein Fragezeichen hinter diese Aussage.

Ausweis ihrer Christlichkeit ist nach einer „Grundsatzerklärung“ der Christen in der AfD das Arsenal folgender Punkte: Man ist gegen Abtreibung, gegen die Präimplantationsdiagnostik  und gegen Sterbehilfe; man ist für „Ehe und Familie“ (und gegen die Ehe für gleichgeschlecht­liche Paare), für die „gemeinsame Erziehung der Kinder durch Mutter und Vater“ (die Erziehung durch Kitas ist bestenfalls eine „Ersatzlösung“) und für den „konfessionellen Religionsunterricht“. Man will die „Lage der Christen in den islamisch geprägten Staaten des Nahen Ostens“ besonders beobachten, weil sie „schweren Verfolgungen ausgesetzt“ seien. Vor diesem Hintergrund äußert man sich zum Thema „Islam in Deutschland“: Er wird insgesamt als intolerant gescholten, und es wird im Gestus pauschaler Behauptung mit der Angst gezündelt, intolerant sei auch das Auftreten der Muslime in Deutschland, was in dieser Verallgemeinerung gewiss falsch ist.

Bemerkenswert ist, welche christlichen Werte im Programm nicht erwähnt werden: Nächstenliebe, Feindesliebe, Solidarität mit den Schwachen und vieles mehr. So tief geht der christliche Wertbezug offenkundig nicht. Durchschlagend ist in der „Grundsatzerklärung“ vielmehr eine Mischung von ausländer-, insbesondere islamfeindlichem politischem Gedankengut und einer Theologie, die diese politische Ausrichtung legitimieren soll.

Hinzu kommt, was die AfD faktisch und medial wirksam tut: eine krude Rassentheorie wird vertreten, Flüchtlinge werden als „Invasoren“ diffamiert, ihre Gründe für die Flucht aus Kriegsgebieten bagatellisiert. Ja, und in Deutschland gibt es dank der AfD wieder eine Diskussion über einen „Schießbefehl“ an den Grenzen. Danke, AfD, für diesen besonderen christlichen Impuls in die Politik hinein. Der, der vom barmherzigen Samariter erzählt, der auch selber ein Flüchtling war (Mt 2,13-15) und der auch sagt: „Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan“ (Mt 25,40), der wird schwerlich begeistert sein, was diese Partei daraus macht.

In der gegenwärtigen Flüchtlingsdebatte geht es um komplizierte Fragen, gewiss auch um finanzielle Fragen und um Antwortversuche, die aber die Gedanken von Menschlichkeit und Nächstenliebe gewiss nicht einfach ausblenden dürfen. Genau das tut die AfD – sie tut es perverser Weise unter einem behaupteten christlichen Deckmäntelchen.  Die AfD – eine christliche Alternative? NEIN.

Florian Schneider